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Rat und Hilfe

Woran erkennt man, ob jemand magersüchtig ist?

Woran erkennt man, ob jemand magersüchtig ist?

Ein Hinweis ist ein deutliches Untergewicht. Um dies zu erreichen, essen Menschen mit Magersucht nur winzige Mengen. Zusätzlich nehmen sie manchmal auch Appetitzügler, Abführ- oder Entwässerungsmittel ein.
Die Betroffenen fühlen sich zu dick, obwohl sie dies objektiv nicht sind. Obwohl sie immer dünner werden, steigt ihre Angst, zuzunehmen.
Sie verleugnen ihre Bedürfnisse und unterwerfen sich einer strengen Selbstkontrolle. Das vermittelt ihnen die Illusion von Stärke und Selbstständigkeit. Mehr und mehr ziehen sich Menschen mit Magersucht von anderen zurück.

Magersucht ist eine schwere Krankheit. Deshalb braucht man die Hilfe von Ärztinnen oder Ärzten und Therapeutinnen oder Therapeuten. Öffnet internen Link im aktuellen FensterHier finden Sie eine Liste mit Beratungsstellen, Kliniken und sonstigen Anlaufstellen.

In welchem Alter tritt Magersucht auf?

In welchem Alter tritt Magersucht auf?

Magersucht kann in jedem Alter auftreten. Doch im Jugendalter, vor allem in der Zeit der Pubertät, besteht eine größere Gefahr, eine Magersucht zu entwickeln. Am häufigsten ist Magersucht bei 14-Jährigen, doch auch bei Kindern kann diese Essstörung vorkommen. Sie betrifft vor allem Mädchen. Männer erkranken an der Magersucht zwar zehnmal seltener, doch ist sie dann oft schwerer ausgeprägt.

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Ursachen und Auslöser

Was die Magersucht im Einzelfall verursacht, ist kaum zu beantworten. Ein allgemeingültiges Erklärungsmodell gibt es genauso wenig wie einen bestimmten Familien-Typ, der Magersucht fördert. Immer kommen mehrere Bedingungen und Faktoren zusammen. Welche und wie  stark sie gewichtet sind, ist für jedes Mädchen, jeden Jungen mit Magersucht anders. Deshalb sollten Eltern nicht nach Ursachen suchen oder sich fragen, ob sie Schuld haben. Das hilft weder dem Kind noch den Eltern weiter.

Zu den Faktoren, die eine Magersucht begünstigen können,  gehören eine ererbte Veranlagung, Selbstzweifel, geringes Selbstwertgefühl, Perfektionismus, übermäßige Sorge um Figur und Gewicht und vieles mehr. Bedingungen, die eine Magersucht auslösen, können  Trennungssituationen, Verlust von Mutter oder Vater oder einem anderen nahe stehenden Familienangehörigen, ein Umzug oder ein Schulwechsel sein.

Die verschiedenen Erklärungen zur Entstehung einer Magersucht orientieren sich an der Funktion, die die Erkrankung für die bzw. den Magersüchtigen hat.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterProtest gegen Kontrolle
undefinedKampf um Selbstbehauptung
Öffnet internen Link im aktuellen FensterAbwehr sexueller Wünsche

Protest gegen Kontrolle

Magersucht tritt am häufigsten während der Pubertät auf. In der Pubertät lösen sich die Jugendlichen von der Familie und übernehmen zunehmend selbst Verantwortung für sich. Es ist eine Phase, in der sich vieles neu ordnet und Auseinandersetzungen und neue Erfahrungen dazugehören.

Dieser Prozess ist umso schwieriger zu bewältigen, je mehr die Familie nach Harmonie strebt, je mehr sich persönliche Bedürfnisse diesem Anspruch unterordnen müssen und nicht ausgelebt werden. Dann fällt es schwer, sich abzugrenzen und Gefühlen wie Wut und Ärger Raum zu geben. Sie werden dann unterdrückt und Konflikte und Auseinandersetzungen vermieden. Übervorsorgliche Eltern, die alle Probleme beiseite räumen und immer Lösungen parat haben, geben Kindern wenig Möglichkeiten, sich auszuprobieren und ihren eigenen Weg zu finden. Andererseits kann eine zu frühe Ablösung von den Eltern Jugendliche überfordern (z. B. bei Scheidung oder Internatbesuch) und die Krankheit kann ein Versuch sein, Fürsorge einzufordern.

Die Magersucht kann auch noch eine andere Bedeutung in Familien bekommen. Sie kann von anderen Spannungen und Konflikten ablenken. Die Angst um die Tochter/den Sohn, rückt die Krankheit in den Mittelpunkt, die anderen Probleme in der Familie verlieren an Bedeutung und müssen zunächst nicht gelöst werden.

Kampf um Selbstbehauptung

Oft fühlen sich Magersüchtige ohnmächtig gegenüber dem eigenen Leben. Sie haben den Eindruck, sich nicht durchsetzen und behaupten zu können, nicht wahrgenommen zu werden. Kritik von anderen beeinträchtigt ihr Selbstwertgefühl zusätzlich. Dabei ist die Leistungserwartung an sich selbst hoch und Magersüchtige leiden häufig darunter, ihr nicht genügen zu können. Durch die Kontrolle über ihren Körper, durch das Überwinden des Hungergefühls erleben sie sich als mächtig und eigenständig. Sie erhöhen damit ihren Selbstwert, denn sie schaffen etwas, was anderen nicht gelingt.

Abwehr sexueller Wünsche

Ein anderes Erklärungsmodell sieht in der Magersucht  eine Form, sexuelle Wünsche abzuwehren. In der Pubertät verändert sich der Körper. Weibliche/männliche Körperformen prägen sich aus, mit denen neue Gefühle und die Annährung an das andere Geschlecht einhergehen. Das kann verunsichern. Durch das Abmagern wird eine kindliche Figur erreicht, die weniger sexuelle Reize aussendet und davor vermeintlich schützt, körperlich anziehend zu sein. Die Magersucht bietet damit die Möglichkeit, in die scheinbar heile Welt der Kindheit zurückzukehren und die Entwicklung aufzuhalten.