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Rat und Hilfe

Warnsignale

Essstörungen entstehen nicht von heute auf morgen. Sie entwickeln sich, und die Übergänge von einer merkwürdigen Essweise zu einer krankhaften Störung sind fließend. Deshalb sollten Eltern bei veränderten Verhaltensweisen wachsam sein.

Es ist sicher nicht immer leicht, Veränderungen richtig einzuordnen. In der Pubertät schon gar nicht. Sind die Veränderungen im Rahmen der Entwicklung normal, gehen sie vorüber? Oder sind es ernst zu nehmende Hinweise auf die Erkrankung? Bewertet man sie über, oder sind sie ein wirklicher Grund zur Besorgnis? Letztlich können das nur Fachleute beantworten.

Wenn sich das Kind in verschiedenen Bereichen anders als sonst verhält, sollten Eltern die Augen davor nicht verschließen. Dauern die veränderten Verhaltensweisen länger an, ist die Gefahr groß, dass sie sich verselbstständigen. Sinkt das Gewicht rapide, dann ist es dringend ratsam, sich Hilfe zu holen.

Folgende Punkte können auf eine Essstörung hinweisen:

Öffnet internen Link im aktuellen FensterUnzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen
Öffnet internen Link im aktuellen FensterVerändertes Essverhalten
Öffnet internen Link im aktuellen FensterGewichtsverlust
Öffnet internen Link im aktuellen FensterWeitere Warnsignale

Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen

  • Das Mädchen/der Junge findet sich immer zu dick und lehnt den Körper ab. Sie oder er findet sich auch dann zu dick, wenn andere sie oder ihn zu dünn finden. Es besteht eine panische Angst zuzunehmen.
  • Über bestimmte Körperteile wird immer wieder genörgelt. „Ich habe zu kurze Beine, einen zu dicken Bauch, zu breite Hüften, einen zu schmalen Oberkörper …“
  • Die Gedanken kreisen nur ums Essen und um die Figur. Das Mädchen oder der Junge betrachtet sich häufig im Spiegel, wiegt sich oft. Eine bestimmte Kleidergröße muss erreicht oder eingehalten werden.
  • Das Mädchen oder der Junge vergleicht sich häufig mit schlanken Menschen.

Verändertes Essverhalten

  • Gegessen wird nicht mehr spontan, lustvoll und gerne, sondern kontrolliert. Zum Beispiel wird nur zu bestimmten Uhrzeiten oder nur Fettarmes, nur Kalorienarmes, nur Gesundes gegessen. Selbst eine gesunde oder eine vegetarische Ernährung wird immer weiter eingeschränkt.
  • Lebensmittel werden in „gut“ und „schlecht/gefährlich“ eingeteilt.
  • Mahlzeiten werden ausgelassen. Das Mädchen/der Junge hat häufig Ausreden, um nichts zu essen. Zum Beispiel: sie/er hat schon gegessen, hat keinen Hunger, hat Bauchschmerzen …
  • Das Essen ist chaotisch. Mal wird viel, dann wieder wenig gegessen. Eine Zeitlang ist die Kontrolle sehr stark, dann ist sie überhaupt nicht vorhanden.
  • Es fällt ihr/ihm schwer, mit dem Essen aufzuhören. Weder Hunger noch Sättigung kann sie/er spüren.
  • Die Streitigkeiten ums Essen nehmen zu. Es wird nichts oder nur wenig gegessen, jeder Bissen viele Male gekaut, winzige Portionen genommen, das Essen auf dem Teller hin und hier geschoben, aber nichts gegessen.
  • Lebensmittel verschwinden aus dem Kühlschrank.
  • Lebensmittel werden im Kinder- oder Jugendzimmer, zum Beispiel im Kleiderschrank, gehortet.
  • Leere Lebensmittelpackungen liegen regelmäßig herum.
  • Das Mädchen oder der Junge kauft gerne ein, liest gerne in Kochbüchern oder Rezeptzeitschriften, kocht gerne, isst aber nie mit.
  • Es wird viel Geld für Süßigkeiten ausgegeben.

Gewichtsverlust

  • Das Mädchen oder der Junge hat in den letzten drei Monaten mehr als 6 Kilogramm abgenommen.

Weitere Warnsignale

  • Das Mädchen oder der Junge isst häufig bei Frust, Stress, Ärger oder Langeweile, redet aber nicht über seine Gefühle. Sie oder er unterdrückt mit dem Essen die Gefühle und vermeidet dadurch Konflikte. Die Stimmung schwankt stark, und die Reizbarkeit ist hoch.
  • Das Mädchen oder der Junge treibt zunehmend mehr Sport, nicht weil es Spaß macht, sondern um abzunehmen. Sie/er ist nach dem Essen körperlich aktiv oder trainiert zusätzlich zum Vereins- und Schulsport. Es wird zum Beispiel Fahrrad gefahren, gejoggt, egal wie das Wetter ist, beim Fernsehen Gymnastik gemacht.
  • Das Mädchen oder der Junge zieht sich von seinen Freunden zurück, vernachlässigt Hobbys und ist zunehmend allein.
  • Häufige Toilettengänge. Die Toilette ist oft verschmutzt, und es riecht nach Erbrochenem. Brechgeräusche sind nicht immer zu hören, sie können durch die Spülung oder die Dusche überdeckt werden.
  • Körperliche Veränderungen sind zu sehen. Geschwollene Speicheldrüsen und Verletzungen im Mundwinkelbereich können auf Erbrechen hindeuten. Häufiges Frieren, Kreislaufprobleme, Schwindel, Haarausfall können Warnsignale sein.
  • Abführmittel und Mittel zum Abnehmen werden gekauft.

Wenn mehrere der genannten Anzeichen zu beobachten sind, sollten Sie das Verhalten bei einer Beratungsstelle, einem Arzt oder einer Ärztin abklären lassen. Denn nur Fachleute können die Diagnose „Essstörung“ stellen.