Essstörungen - zur Startseite
Sie sind hier:
Kontrast: Starker Kontrast, schwarz-weiss Farbversion
Rat und Hilfe

Welchen Einfluss hat das Schlankheitsideal, das Medien zeigen?

Welchen Einfluss hat das Schlankheitsideal, das Medien zeigen?

In den Medien, der Werbung oder der Modebranche wird Schlankheit immer wieder mit Attraktivität und Erfolg gleichgesetzt. Das geltende Schönheitsideal und das negative Image von Menschen mit Übergewicht in der Gesellschaft spielen bei Essstörungen eine große Rolle. Verbunden mit Diäten oder kontrolliertem Essverhalten kann das Schönheitsideal ein Auslöser für Essstörungen sein.

Wie häufig kommen Essstörungen vor?

Wie häufig kommen Essstörungen vor?

Es gibt keine bundesweiten repräsentativen Daten, wie häufig Magersucht, Bulimie und Binge Eating sind.
Einzelne Symptome einer Essstörung haben bereits viele Jugendliche. Bei etwa einem Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen liegt ein Verdacht auf eine Essstörung vor. Das zeigt eine Studie des Robert Koch Instituts (undefinedwww.rki.de) zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Darin wurden erstmals bundesweite Daten zu Vorformen der Essstörungen erhoben; die einzelnen Formen der Essstörungen wurden aber nicht unterschieden.
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass international von 100 000 Menschen zwischen 500 bis 1 000 magersüchtig sind; unter Bulimie leiden zwischen 2 000 und 4 000. Von der Binge Eating Störung sind 1 000 bis 3 000 von 100 000 Menschen betroffen.
Die tatsächlichen Zahlen dürften jedoch deutlich höher liegen. Denn aus Scham suchen die Betroffenen häufig keine Beratung und Therapie auf.

Weitere Fragen hier

Das können Lehrerinnen und Lehrer tun

Sie haben den Verdacht, dass bei einer Schülerin oder einem Schüler eine Essstörung vorliegt. Was tun? Die Unsicherheit ist oft groß. Auf keinen Fall abwarten. Denn je frühzeitiger behandelt wird, desto besser.

Strategieplan erstellen

Erarbeiten Sie für die Schule einen „Strategieplan“. Er gibt der einzelnen Lehrkraft Sicherheit, was im Verdachtsfall zu tun ist. Schriftlich ist darin festgelegt, wie die Lehrkräfte reagieren, zu welchen Institutionen sie Kontakt aufnehmen können, ob es z.. B. regelmäßige Informationsveranstaltungen oder Elternabende gibt. Sinnvoll ist es, Netzwerke mit regionalen Beratungsstellen und Institutionen zu bilden. Der schulpsychologische Dienst kann ebenfalls darin eingebunden sein.

Tauschen Sie sich mit Kollegen und Kolleginnen aus

Wenn eine Schülerin bzw. ein Schüler sehr viel dünner oder dicker wird, sich das Verhalten geändert hat, oder wenn Sie auf Klassenfahrten oder Ausflügen Auffälligkeiten beim Essen bemerken, sprechen Sie Kollegen und Kolleginnen an, die ebenfalls in der Klasse sind. Stellen Sie fest, ob sich Ihr Verdacht erhärtet.
Wenden Sie sich an den Kollegen oder die Kollegin, der/die für Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung zuständig ist. Er/sie kann Kontakte zu Beratungsstellen, zum Gesundheitsamt etc. vermitteln.

Sprechen Sie den Schüler bzw. die Schülerin an

Ein gutes Vertrauensverhältnis ist Voraussetzung. Im ruhigen Gespräch unter vier Augen sollten Sie die Betroffene/den Betroffenen mit Ihrer Wahrnehmung konfrontieren. Ist er/sie noch nicht volljährig, sagen Sie, dass Sie mit den Eltern sprechen werden. Wahrscheinlich wird die Schülerin bzw. der Schüler Ihren Verdacht ablehnen oder andere Erklärungen für das Verhalten liefern. Sagen Sie ihr bzw. ihm, dass Sie mit dieser Reaktion gerechnet haben und dass es nicht leicht sei, sich einzugestehen, krank zu sein. Zeigen Sie Verständnis, aber machen Sie auch deutlich, dass die Schülerin bzw. der Schüler Ihnen die Sorge nicht nehmen kann.

Nehmen Sie Kontakt zu den Eltern auf

Die Verantwortung für die Gesundheit des (nicht volljährigen) Kindes liegt bei den Eltern, deshalb müssen Sie sie informieren. Vielleicht bestärken Sie durch Ihre Wahrnehmung eine Vermutung, die die Eltern bereits haben und helfen ihnen damit, aktiv zu werden. Machen Sie auf Beratungsstellen aufmerksam. Motivieren Sie sie, selbst eine Beratung in Anspruch zu nehmen.
Die Gespräche sind sicherlich nicht immer einfach. Eltern fühlen sich schnell angegriffen. Sie befürchten, die Essstörung würde familiäre Probleme öffentlich machen. Wenn Sie ein solches Gespräch überfordert, bitten Sie eine Kollegin oder einen Kollegen hinzu.

Stellen Sie keine Diagnose

Die Diagnose Essstörung kann nur eine Ärztin/ein Arzt, eine Psychologin/ein Psychologe oder eine Psychotherapeutin/ein Psychotherapeut stellen. Wenn Sie mit den Eltern sprechen, weisen Sie darauf hin, raten Sie zum Arztbesuch, um die Auffälligkeiten durch einen Experten oder eine Expertin abklären zu lassen.

Bieten Sie Unterstützung an

Zum Beispiel, wenn die/der Betroffene mit den Eltern sprechen will. Es fällt der Schülerin bzw. dem Schüler oft leichter, mit den Eltern zu sprechen, wenn eine dritte neutrale Person dabei ist.
Motivieren Sie zum Besuch einer Beratungsstelle. Bieten Sie an, sie bzw. ihn zur Beratungsstelle zu begleiten. Machen Sie Mut. Haben Sie immer den ganzen Menschen und nicht nur die Erkrankung im Blick.

Seien Sie Vorbild

Beleuchten Sie Ihre eigene Einstellung zu Figur und Gewicht kritisch. Wie fühlen Sie sich in Ihrem Körper? Welche Rolle spielt die Figur für Ihr Selbstbewusstsein? Holen Sie sich bei Problemen Hilfe, oder haben Sie den Anspruch, alles allein zu machen? Wie beurteilen Sie dicke und dünne Menschen? Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Unterlassen Sie zum Beispiel ironische Bemerkungen über Figur und Gewicht, auch wenn Sie über dritte Personen oder über Prominente sprechen.

Halten Sie Kontakt

Sie können die Therapie unterstützen, indem Sie der Schülerin oder dem Schüler anbieten, für Gespräche Zeit und ein offenes Ohr zu haben. Doch konkurrieren Sie nicht mit den Eltern. Und: Überlassen Sie die Behandlung unbedingt Fachleuten.

„Essstörung“ zum Unterrichtsthema machen

Sie können wissenschaftlich evaluierte Präventionsprogramme nutzen, um das Thema im Unterricht oder in Projektwochen zu bearbeiten. Wenn es in Ihrer Nähe eine Beratungsstelle gibt, können Sie auch dort anfragen und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Unterricht einbinden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können entweder in der Schule Workshops anbieten, oder die Klasse kann die Beratungsstelle besuchen. Eventuell erklärt sich auch eine ehemals Betroffene oder ein ehemals Betroffener bereit, über die Krankheit und ihren Weg hinein und hinaus zu berichten.

Bei Selbstmordgedanken sofort handeln

Verschließen Sie die Augen nicht, wenn Sie eine Suizidgefahr vermuten oder wahrnehmen. Suchen Sie das Gespräch, und sagen Sie klar, dass Sie Hilfe einschalten werden. Falls die Betroffene/der Betroffene Hilfe verweigert, nehmen Sie Kontakt mit einer Beratungseinrichtung, bzw. in akuten Fällen mit einer Akutpsychiatrie auf. Sie gibt Ihnen Adressen von Kriseninterventionsstationen oder Krisenberatungseinrichtungen.