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Das Krankheitsbild

Um immer stärker abzumagern, wird alles getan. Der Körper wird kontrolliert, Leistung betont und Gefühle werden unterdrückt. Manches erscheint für Außenstehende sehr widersprüchlich.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterDünn durch verschiedene Maßnahmen
Öffnet internen Link im aktuellen FensterKopf herrscht über Körper
Öffnet internen Link im aktuellen FensterBestleistung muss sein
Öffnet internen Link im aktuellen FensterZwanghafte Verhaltensweisen
Öffnet internen Link im aktuellen FensterWidersprüchliches

Dünn durch verschiedene Maßnahmen

Besteht die Magersucht bereits seit einiger Zeit, ist der Körper auffallend dünn. Der extreme Gewichtsverlust ist immer selbst herbeigeführt.

Um ihn zu erreichen, wird weniger gegessen, sehr viel Sport getrieben oder beides kombiniert. Erst werden häufig nur die kalorienreichen Lebensmittel gestrichen, dann wird die Auswahl mehr und mehr eingeschränkt, und auch ganze Mahlzeiten fallen weg. Manche Magersüchtige stellen sogar das Trinken ein. Weil der Gewichtsverlust allein durch eine starke Einschränkung des Essens erreicht wird, nennt man diesen Typ der Magersucht „restriktive Anorexia nervosa“.

Bei 60 Prozent der Magersüchtigen wird die Dauerdiät im Laufe der Zeit durch Essattacken unterbrochen. Manchmal weil der Hunger unerträglich wird oder weil man dem Drängen der Eltern nachgibt. Durch Erbrechen, Abführmittel und andere Medikamente wird der Essanfall „ungeschehen“ gemacht. Fachleute sprechen dann vom bulimischen Typ der Magersucht.
Einige Magersüchtige erbrechen und missbrauchen Medikamente, auch ohne Heißhungeranfälle zu haben.

Kopf herrscht über Körper

Der Körper erscheint als gierig und bedürftig, er ist ein Feind, der bekämpft werden muss. Hunger, Bedürfnis nach Ruhe, nach Entspannung oder einfach mal nach nichts tun, dürfen nicht sein. All diese Bedürfnisse werden verleugnet. Der Krankheitsgewinn: Die Kontrolle über ihren Körper gibt das Gefühl, eigenständig und unabhängig zu sein, alles im Griff zu haben. Magersüchtige glauben, dass alle Probleme gelöst sind, wenn der Körper erst dünn ist.

Doch selbst dann, wenn sie nur noch sehr wenig wiegen, fühlen sich Magersüchtige zu dick und haben den Wunsch, weiter abzunehmen. Tief sitzt die Angst, zu dick zu werden.

Bestleistung muss sein

Magersüchtige haben oft einen hohen Leistungsanspruch. Häufig gehören sie zu den Besten der Klasse oder verlangen von sich im Studium, im Beruf oder beim Sport sehr viel. Obwohl es immer schwieriger wird, bringen sie lange gute Leistungen. Sie sind sehr ehrgeizig und vergleichen sich ständig mit anderen. Häufig gehen sie über ihre Grenzen hinaus. Niemand genügt ihren Ansprüchen.

Zwanghafte Verhaltensweisen

Das Essen wird oft ritualisiert (z. B. jeder Bissen wird soundso viele Male gekaut). Aber auch andere Verhaltensweisen können zwanghaft werden, zum Beispiel bei der Körperpflege oder beim Aufräumen, beim Sammeln oder Kontrollieren von Dingen. Auch Geiz kann sich entwickeln. Im Verlauf der Erkrankung kapseln sich Magersüchtige immer mehr ab. Schwarz-Weiß-Denken, gereizte oder depressive Verstimmungen nehmen zu. Auch Selbstmordgedanken können hinzukommen.

Widersprüchliches

Manche Verhaltensweisen erscheinen Außenstehenden auf den ersten Blick widersprüchlich, doch sie sind für diese Essstörung typisch. Dazu gehört, dass Magersüchtige häufig Rezepte sammeln und für andere kochen und backen, aber selbst nichts essen.

Magersüchtige haben einerseits Angst vor dem Mittelmaß, wollen hohe Leistung bringen, andererseits fürchten sie aber aufzufallen. Sie sind hoch sensibel für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen, zu ihren eigenen Gefühlen haben sie dagegen nur schwer Zugang. Viele haben eine große Angst vor Trennung, fürchten sich andererseits aber auch vor Nähe.