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Bild von Händen, die übereinander liegen - Selbsthilfe

Selbsthilfe


Um eine Essstörung zu bewältigen, kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein. Es gibt spezielle Gruppen für Bulimie, Magersucht und die Binge-Eating-Störung. Aber es gibt auch offene Angebote für alle Arten von Essstörungen sowie Gruppen für Angehörige.

Der Austausch mit anderen Betroffenen steht in Selbsthilfegruppen an oberster Stelle. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich regelmäßig oder finden im Internet zusammen. 

Selbsthilfegruppen sind kein Therapieersatz. Aber: Sie können vor, während und nach der Therapie unterstützend wirken.

Empfehlenswert sind Gruppen, die durch eine Therapeutin oder einen Therapeuten begleitet werden. Außerdem sind Gruppen zu empfehlen, die an eine Beratungsstelle, eine klinische Ambulanz oder eine Fachklinik angebunden sind.

„Ganz wichtig war es für mich, in der Familiengruppe zu erkennen, dass es auch andere Familien mit Problemen gibt; ich habe nämlich immer gemeint, nur unsere Familie sei eine Ausnahme; nur in unserer Familie sei alles so trostlos, problematisch und gespannt. Heute kann ich meine Familie mit anderen Augen sehen und besser verstehen. Natürlich hat mir die Familiengruppe auch häufig Angst gemacht, und es kostete mich eine gehörige Portion Mut, mich darauf einzulassen, was dort alles angerührt wurde, und vieles tat mir sehr weh. Im Endeffekt habe ich meine Familie und mich selbst sowie andere Betroffene und ihre Familien besser kennen- und verstehen gelernt. Heute ist meine Beziehung zu meiner Familie herzlicher, als sie jemals gewesen ist."

Selbsthilfe-Programme für zu Hause

Eine Ergänzung zu einer Psychotherapie können Selbsthilfe-Programme sein. Die Programme enthalten Informationen über die Erkrankung, Übungen, praktische Tipps sowie Arbeitsmaterialien, wie Fragebögen, Gedanken- und Stimmungstagebücher oder Essprotokolle. Die Selbsthilfe-Programme sind jeweils für die Behandlung einer Form von Essstörung ausgerichtet. In der Regel arbeiten sie mit Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Dies ist ein Therapieverfahren der Psychotherapie.

Betroffene lernen dabei Schritt für Schritt, mit ihrer Essstörung umzugehen. Sie bearbeiten diese Programme alleine oder mit geringer therapeutischer Begleitung – diese erfolgt persönlich, per Telefon oder über das Internet.

Selbsthilfe-Programme sollten eine Therapie nur ergänzen, nicht aber ersetzen. Sie können helfen, Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken. Auch wenn am Wohnort oder in der Nähe kein Psychotherapeut zur Verfügung steht, kann ein Selbsthilfe-Programm sinnvoll sein.

Einer Selbsthilfe zu Hause muss immer eine Diagnose vorausgehen, etwa durch eine Ärztin oder einen Arzt, eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten oder in einer anerkannten Beratungsstelle. Diese Fachleute können auch entscheiden, ob ein Selbsthilfe-Programm bei dem jeweiligen Betroffenen sinnvoll ist.

Wo finde ich Angebote?

Wer ein Selbsthilfe-Programm bei Essstörungen sucht, wird im Internet verschiedene Angebote finden. Neben online-Programmen gibt es auch Bücher. Bücher ebenso wie einige Online-Angebote sind kostenpflichtig. Besonders empfehlenswert sind Programme, die wissenschaftlich fundiert arbeiten und deren Nutzen erwiesen ist. Schauen Sie daher genau hin oder informieren Sie sich bei einer Beratungsstelle, wenn Sie unsicher sind.

Einige Universitäten mit einem Forschungsschwerpunkt im Bereich Essstörungen entwickeln Selbsthilfe-Programme und begleiten diese wissenschaftlich. Solche Programme sind häufig nur für Studien-Teilnehmende zugänglich; manche sind auf bestimmte Regionen beschränkt. Bei Interesse lohnt es sich, mit den Verantwortlichen an dem entsprechenden Universitätsinstitut Kontakt aufzunehmen.

Es gibt derzeit keine wissenschaftliche Untersuchung, die die Wirksamkeit von hierzulande verfügbaren Selbsthilfe-Programmen bei einer Essstörung miteinander vergleicht.

Wie können Apps die Therapie unterstützen?

Mittlerweile stehen auch Apps für Menschen mit einer Essstörung beziehungsweise für deren Angehörige zur Verfügung. Solche Apps können als Unterstützung der Therapie und der Nachsorge sinnvoll sein, aber keine Therapie ersetzen. Betroffene können damit zum Beispiel diskret Essprotokolle ausfüllen, ihr Essverhalten, Hunger und Sättigung sowie ihre Gedanken und Gefühle festhalten. Oft enthalten Apps auch Tipps für stressreiche Momente.

Apps für Angehörige können geeignet sein, um den Alltag der Betroffenen zu dokumentieren und der behandelnden Therapeutin beziehungsweise dem Therapeuten einen besseren Gesamteindruck des gesundheitlichen Zustands zu vermitteln.

Angeboten werden solche Apps von Kliniken, Therapeuten, gemeinnützigen Institutionen oder Menschen, die selbst von einer Essstörung betroffen sind oder waren. Mitunter werden Apps auch von Universitäten entwickelt und in wissenschaftlichen Studien erprobt. Für die Teilnahme ist in der Regel eine Anmeldung erforderlich.

Genau hinschauen

Achtung: Nicht jedes Selbsthilfe-Programm und jede App zu Essstörungen ist empfehlenswert und seriös. Hier gilt es, genau hinzuschauen. Was sind die Ziele? Wer ist der Anbieter? Welche fachliche Qualifikation liegt vor?

 

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