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Bild mit verschiedenen Formen - Auslösende Faktoren für Essstörungen

Auslösende Faktoren
für Essstörungen

Essstörungen haben nicht nur die eine Ursache. Es spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle, wenn jemand an einer Essstörung erkrankt. Diese Faktoren können je nach Art der Essstörung sehr unterschiedlich sein. Manche mögen wenig bedeutend erscheinen. Doch im Zusammentreffen mit anderen können sie die Entwicklung einer Essstörung anstoßen.

Für den Therapieerfolg ist die Suche nach den Ursachen wichtig. Dabei geht es aber nicht darum, Schuld zuzuweisen oder einen Verantwortlichen für die Erkrankung zu finden. Es geht darum, die Entstehung der Krankheit zu verstehen. Nur so können auslösende Faktoren positiv verändert werden.

Biologische Ursachen

Inzwischen sind sich die Experten einig, dass bestimmte biologische Einflüsse die Entstehung einer Essstörung begünstigen können, zum Beispiel genetische Faktoren ebenso wie Veränderungen im Bereich der Hormone oder Botenstoffe. Auch körperliche Einflüsse, wie vorliegendes Über- oder Untergewicht, können eine Rolle spielen.
In der Regel führt jedoch kein Faktor allein zu einer Erkrankung. Erst wenn mehrere Ursachen zusammentreffen, entwickelt sich möglicherweise eine Essstörung. Auch variieren die Risikofaktoren zwischen den einzelnen Essstörungen sehr stark.

Genetische Faktoren

Essstörungen treten in manchen Familien gehäuft auf. Dies bedeutet allerdings nicht, dass jedes Kind zwangsläufig an einer Essstörung erkrankt, wenn die Mutter oder der Vater davon betroffen ist. Eine genetische Veranlagung kommt erst zum Tragen, wenn weitere Faktoren hinzukommen. Experten gehen davon aus, dass ein weibliches Familienmitglied von Patientinnen mit einer Anorexie oder Bulimie ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Essstörung hat.

Gene können auf unterschiedlichen Wegen die Entwicklung einer Essstörung verstärken. Sie prägen beispielsweise die Ausbildung verschiedener Persönlichkeitsfaktoren, die wiederum die Entstehung einer Essstörung begünstigen. Darüber hinaus beeinflussen sie den Hormonstoffwechsel und die Aktivität der Botenstoffe im Gehirn.

Hormone und Botenstoffe

Auslöser von Essstörungen können hormonelle Veränderungen sein. So spielt beispielsweise Ghrelin, ein Hormon, das appetitanregend wirkt, eine Rolle bei der Krankheitsentwicklung. Weiterhin gelten Geschlechtshormone, wie Östrogen und Testosteron, als sehr bedeutsame Einflussfaktoren. Gerade in der Zeit der Pubertät zählen hormonelle Veränderungen zu den wesentlichen Risikofaktoren. Der Einfluss wird besonders relevant, wenn gleichzeitig eine genetische Veranlagung für Essstörungen besteht.

Essstörungen lassen sich auch in Verbindung bringen mit Veränderungen bei den Botenstoffen der Nervenzellen, den Neurotransmittern. Dies betrifft insbesondere solche, die das Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflussen. Hinweise gibt es beispielsweise für die Wirkung von Serotonin und Dopamin.

Körperliche Faktoren

Körperliche Faktoren, wie Geschlecht, Alter und Körpergewicht, können die Entstehung von Essstörungen beeinflussen. Einzelne Variablen alleine lassen jedoch keine Essstörungen vorhersagen. Hier treffen in der Regel mehrere Faktoren zusammen. So ist beispielsweise das Risiko für eine Magersucht bei Mädchen während der Pubertät erhöht. Übergewichtige neigen eher zur Entwicklung einer Bulimie oder Binge-Eating-Störung, weniger zu einer Magersucht. Das Auftreten von Übergewicht in der Familie und regelmäßiges Diät-halten ist ebenfalls mit dem Auftreten von Essstörungen verbunden.

Soziokulturelle Ursachen

Das extrem schlanke Schönheitsideal in westlichen Industrienationen, wie es etwa in der Werbung und Model-Casting-Shows gezeigt wird, steigert bei Heranwachsenden oft die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Dies kann die Tendenz für eine Essstörung verstärken. Daneben kann die Meinung von Freunden das eigene Körperbild beeinflussen. Der stete Vergleich unter Gleichaltrigen, negative Kommentare hinsichtlich Figur und Körpergewicht bis hin zum Mobbing beeinträchtigen häufig das Selbstwertgefühl. Hinzu kommen Angstzustände im Umgang mit anderen Menschen und der Wunsch, perfekt zu sein. Diese Faktoren können das Risiko für eine Essstörung erhöhen.

Familiäre Ursachen

Inwieweit die Familie Einfluss nimmt auf die Entstehung einer Essstörung, lässt sich nicht einfach an einzelnen Kriterien oder Familienstrukturen festmachen. Denn dies kann ganz unterschiedlich sein. So können Betroffene wenig Zuwendung von Seiten der Familie erfahren oder aber sehr behütet aufwachsen – bis hin zu einer enormen Kontrolle. In machen Familien werden Konflikte gemieden, in anderen heftig ausgelebt. Dennoch sind einige familiäre Auslöser bekannt. So sind oftmals Kinder und Jugendliche von Essstörungen betroffen, die bestimmte Ereignisse erfahren haben, beispielsweise die Trennung der Eltern oder Gewalt. Häufig zeigen auch andere Familienmitglieder eine negative Einstellung zum Körper und ein auffallendes Essverhalten. Weiterhin finden sich oftmals ein hoher Leistungs- und Erfolgsdruck, Depressionen oder Suchterkrankungen bei einzelnen Elternteilen.

individuelle Ursachen

Verschiedene Persönlichkeitsmerkmale werden als Risikofaktor für Essstörungen angesehen. Ein geringes Selbstwertgefühl spielt dabei eine ganz bedeutende Rolle. Betroffene haben einen hohen Leistungsanspruch an sich selbst, sei es in der Schule oder beim Sport. Sie sind sehr ehrgeizig und wollen bei allem perfekt sein. Es fällt Ihnen jedoch schwer, mit Stress umzugehen und Konflikte zu lösen. Häufig fühlen sie sich überfordert. Weiterhin basieren Essstörungen oftmals auf traumatischen Erlebnissen wie beispielsweise sexueller Missbrauch. Hinzu kommen Essprobleme wie Fütterstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter. Auch Übergewicht sowie die beginnende Pubertät mit ihren körperlichen und persönlichen Veränderungen gehören zu möglichen auslösenden Faktoren.

Das vorherrschende Schönheitsideal

Als ein Risikofaktor für die Entwicklung eines gestörten Essverhaltens gilt das in den westlichen Ländern verbreitete Schlankheitsideal – und die damit verbundene Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper.

Das Schönheitsideal wird über Medien vermittelt und verbreitet: über Werbung, Filme, aber auch über Formate wie „Germanys next Topmodel“. Eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) kam zu dem Ergebnis: Die Model-Show verstärkt bei Heranwachsenden die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper – und erhöht damit die Gefahr einer Essstörung. Der Vergleich mit unrealistischen Maßstäben für Schönheit trägt dazu bei, dass sich auch normalgewichtige Frauen und Männer als übergewichtig, zu wenig muskulös oder „nicht passend“ erleben.

Der Einfluss gesellschaftlicher Normen ist nicht bei allen Essstörungen gleich stark. Der Wunsch, dem gängigen Schlankheitsideal zu entsprechen, spielt bei der Entstehung einer Bulimie eine größere Rolle als bei der Entwicklung einer Magersucht.

Im Laufe der Zeit hat sich das gängige Schönheitsideal immer wieder verändert. Dicksein wurde in der Antike zum Beispiel verachtet und bestraft. Im Mittelalter und im 17. Jahrhundert waren dagegen üppige Körperformen in Mode. In vielen Kulturen galt weibliche Fettleibigkeit als Zeichen für Schönheit und Fruchtbarkeit. Männliche Körperfülle bedeutete Reichtum, Macht und Prestige.

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