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Bild mit einem großen Fragezeichen - Magersucht

Magersucht

Eine Magersucht ist eine schwerwiegende und meist sehr langwierige Erkrankung, die unbedingt behandelt werden muss.

Typisch für eine Magersucht ist ein starker Gewichtsverlust oder anhaltendes Untergewicht. Betroffene haben Angst davor, zuzunehmen oder zu dick zu sein. Daher schränken sie ihre Nahrungsaufnahme ein und nehmen immer weiter ab. Obwohl sie auffallend dünn sind, empfinden sie sich selbst als unförmig und dick. Die Magersucht wird auch Anorexie oder Anorexia nervosa genannt.

„Was esse ich, wenn ich nach Hause komme? Einen halben Kopf Salat, eine Tomate, etwas Essig? Und am Abend muss ich joggen gehen. Unbedingt bei der Wampe...“

Kriterien

  • Bei einer Magersucht kommt es zu einem starken Gewichtsverlust oder anhaltendem Untergewicht, wobei die Betroffenen häufig keine Einsicht in die Schwere ihres Zustandes haben.
  • Menschen mit einer Magersucht leiden unter der ständigen Angst zuzunehmen oder zu dick zu sein. Sie fürchten sich davor, die Kontrolle über das Essen und ihr Gewicht zu verlieren.
  • Betroffene kontrollieren in ausgeprägter Form ihre Nahrungsaufnahme: Sie essen sehr wenig und verzichten vor allem auf kalorienreiche Speisen. Beim Essen entwickeln sie Rituale. Dazu gehört Kalorienzählen, langsames Essen, Kleinschneiden der Nahrung oder Essen nach bestimmten Zeitplänen.
  • Einige Betroffene setzen zusätzlich Medikamente ein oder führen Erbrechen herbei, um noch mehr Gewicht zu verlieren. Darüber hinaus treiben viele übermäßig Sport. Bei einem sehr niedrigen Gewicht kann es zu Heißhunger- bzw. Essanfällen kommen.
  • Patientinnen und Patienten mit einer Magersucht fühlen sich in ihrem Körper sehr unwohl. Sie empfinden sich auch dann noch als dick und unförmig, wenn sie bereits untergewichtig sind.
  • Körpergewicht oder Figur haben einen übertrieben hohen Einfluss auf die Selbstbewertung von Magersüchtigen.

„Als ich in die Pubertät kam, hasste ich am meisten meine Brüste, die sich so langsam entwickelten. Ich hatte Angst vor einer weiblichen Figur und wollte sie unbedingt verstecken. Ich weigerte mich, einen BH zu tragen, und zog meine alten Unterhemden an, die ich so fest in die Unterhose steckte, dass ich flach wie ein Brett war. Kalorienzählen wurde zu meinem Lebensinhalt. Es machte mir wahnsinnigen Spaß, und ich war stolz, dass ich so diszipliniert war und alles gut im Griff hatte. Ich dachte mir, dann würde ich so bleiben wie ich bin, doch das war nicht so.“

Ursachen

  • Bei der Entstehung der Krankheit wirken verschiedene Faktoren zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen können. Dazu zählen:
    • Biologische und körperliche Einflüsse: zum Beispiel eine erbliche Veranlagung, ein gestörtes Essverhalten in der frühen Kindheit oder früheres strenges Diäthalten
    • Faktoren in der persönlichen Entwicklung: zum Beispiel ein niedriges Selbstwertgefühl, emotionale Labilität oder die Sorge um Aussehen, Figur und Gewicht
    • Gesellschaftliche Einflüsse: zum Beispiel das vorherrschende schlanke Schönheitsideal
  • Auslöser, das heißt Faktoren, die den Zeitpunkt des Ausbruchs einer Essstörung bestimmen, können belastende Erlebnisse sein, wie etwa ein Verlust, eine Trennung, ein Umzug oder Mobbing. Auch körperliche Erkrankungen und der Beginn körperlicher Veränderungen in der Pubertät können eine Magersucht auslösen.
  • Die Magersucht hat ihren Beginn vor allem im frühen Jugendalter bzw. während der Pubertät, aber auch im jungen Erwachsenenalter.
  • Ein erhöhtes Risiko an der Magersucht zu erkranken, weisen Menschen auf, die Leistungssport treiben. Das trifft besonders auf Sportarten zu, bei denen Schlankheit und Körpergewicht eine Rolle spielen.
     

Weitere Symptome und Verlauf

  • Bei den Patientinnen und Patienten mit einer Magersucht kreisen die Gedanken ständig um das Essen, um ihr Gewicht und ihre Figur.
  • Zu Beginn der Erkrankung erleben Betroffene häufig positive Gefühle von Leichtigkeit und Euphorie. Sie genießen die scheinbar vollständige Kontrolle über einen Bereich ihres Lebens. Die positiven Emotionen halten jedoch nicht lange an. Sie schlagen in Gleichgültigkeit, depressive Stimmung und hohe Reizbarkeit um. Die Betroffenen verheimlichen ihre Probleme, ziehen sich zurück und vernachlässigen ihre sozialen Kontakte oder ihre Interessen.
  • Auch wenn Hungern, Sport und Kontrolle der Nahrungsaufnahme am Anfang freiwillig begonnen werden, entwickeln sie sich im Verlauf der Krankheit zu einer Art Zwang, aus dem die Betroffenen ohne Hilfe von außen nur noch schwer einen Ausweg finden.
  • Bei einer Magersucht wird der Körper nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Es kommt zu Mangelerscheinungen. Die Betroffenen sind oft müde und frieren. Sie haben einen zu langsamen Herzschlag, gegebenenfalls Herzrhythmusstörungen, Kreislaufbeschwerden und Konzentrationsstörungen. Außerdem kann es zu einer Verringerung der Knochendichte (Osteoporose) kommen.
  • Eine Magersucht führt auch zu Hautveränderungen: Die Betroffenen haben zum Beispiel Haarausfall oder trockene und juckende Haut. Bei starkem Untergewicht kann es auch zu einer sogenannten „Lanugo-Behaarung“ kommen, einer feinen, flaumartigen Behaarung.
  • Es treten hormonelle Veränderungen auf: Bei Jungen und Mädchen kann das zu einer Verzögerung der Pubertät und der körperlichen Entwicklung führen. Auch das Wachstum verlangsamt sich. Bei Mädchen und Frauen bleibt die Monatsblutung aus. Bei Jungen und Männern kann es zu Potenzverlust kommen.
  • Selbst herbeigeführtes Erbrechen schädigt Zähne und Speiseröhre. Oft kommt es zu einer Vergrößerung der Speicheldrüsen sowie Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts und der Nierenfunktion.
  • Die Gefahren einer Magersucht werden von den Betroffenen selbst oft nicht wahrgenommen. Sie verstehen nicht, dass ihr Verhalten krankhaft ist. In vielen Fällen suchen sie sich daher erst spät professionelle Hilfe.
  • Oft leiden Menschen mit einer Magersucht auch unter anderen psychischen Problemen, wie etwa Depressionen, Zwängen oder Ängsten. Die Essstörung kann diese Probleme verstärken. Ebenso können andere psychische Symptome einen negativen Einfluss auf den Verlauf der Essstörung haben. 
  • Menschen mit Magersucht haben ein mehr als 5-fach höheres Risiko zu sterben als Gleichaltrige ohne Erkrankung. Eine Auswertung von Patientenakten zeigte, dass die meisten Menschen mit Magersucht an gesundheitlichen Störungen verstorben waren, die die Magersucht verursacht hatte. Jeder fünfte Todesfall war ein Suizid. Die Todesrate bei Magersucht steigt vor allem, wenn andere Erkrankungen vorliegen - insbesondere andere psychische Erkrankungen. Menschen mit Magersucht haben im Vergleich zu Gesunden ein 18-fach höheres Risiko, sich selbst das Leben zu nehmen.

„Irgendwann war meine Krankheit nicht nur mein einziger Lebensinhalt, mein Alibi für alles, was ich nicht leistete oder leisten wollte, sondern vielmehr ein Freund, ein Schatz, den ich mit allen Mitteln dieser Welt festhalten wollte. Ich hasste jeden, der mir einzureden versuchte, ich sei krank und bräuchte Hilfe."

Behandlung

  • Wird die Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Aussichten auf eine vollständige Genesung besonders gut.
  • In der Behandlung geht es zunächst darum, die akuten Symptome zu lindern und den Patientinnen und Patienten zu helfen, an Gewicht zuzunehmen und ein gesundes Essverhalten zu entwickeln.
  • Im weiteren Verlauf der Therapie werden mögliche auslösende und aufrechterhaltende Faktoren betrachtet. Es werden zusammen mit den Betroffenen Strategien entwickelt, um einen Rückfall in die Erkrankung zu verhindern.
  • Wie eine Magersucht behandelt wird, ist unter anderem abhängig davon, wie schwer die Erkrankung ausgeprägt ist. Möglich ist
  • In lebensbedrohlichen Situationen kann auch eine Zwangsbehandlung notwendig werden.
  • Auch nach einer erfolgreichen Behandlung bleiben oft Symptome bestehen, die zu einem Rückfall in die Krankheit führen können. Die Nachsorge ist daher bei der Behandlung der Magersucht wichtig.
     

„Ich fühle mich. Ich kann mich freuen. Ich brauche das Hungern nicht mehr, um daran zu messen, wie stark und leistungsfähig ich bin. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, noch einmal so tief in eine Krankheit zu rutschen wie damals, als ich magersüchtig war.“

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